Was ist eine Kastration und wozu ist sie sinnvoll?
Katzen haben einen natürlichen Instinkt: sich so oft wie möglich fortzupflanzen.
Die Evolution hat das Überleben der Art „Katze“ durch eine hohe Reproduktionsrate gesichert.
Leider führt das dazu, dass selbst bei Futtermangel oder schlechter Gesundheit keine „natürliche Geburtenkontrolle“ einsetzt.
Das wird für freilebende Katzen oft zum Verhängnis und sorgt für massive Probleme im Tierschutz:
Katzenmütter und ihre Kitten leben häufig in desolaten Zuständen, leiden unter Krankheiten, Hunger und Verletzungen. Tierheime werden jedes Jahr mit einer Kittenflut überrollt.
Kastration rettet Leben!
Bei einer Kastration werden bei Katzen (weiblich) die Eierstöcke und bei Katern (männlich) die Hoden entfernt.
Dadurch werden die Tiere unfruchtbar und ihr Sexualtrieb verschwindet. Das hat viele positive Effekte auf das Katzenleben und auch auf das Zusammenleben mit Menschen.
Katzen empfinden bei der Paarung keine romantischen Gefühle, wie wir sie vielleicht vermuten würden.
Wird eine Katze vor der ersten Rolligkeit kastriert, steigert das ihre Gesundheit und Lebenserwartung.
Unkastrierte Katzen haben ein deutlich höheres Risiko für Gebärmutterentzündungen (Pyometra), Gesäugetumore, Eierstockzysten.
Unkastrierte Kater beginnen hingegen zu markieren, was nicht nur eine starke Geruchsbelästigung, sondern auch ein Zeichen von hormonell gesteuertem Territorialverhalten ist.
Bei Katzen überwiegen die Vorteile meist klar. Bei Katzen und Katern verhindert die Kastration zudem meist einen anhaltenden hormonellen Stress und steigert dadurch deutlich die Lebensqualität.
Bei Hunden ist der Sexualhormonhaushalt normalerweise weniger dauerhaft belastend und stärker in Wachstum, Stoffwechsel und Verhalten eingebunden, weshalb eine Kastration nicht pauschal empfohlen werden kann.
Kastrationen sind essentiell! Warum Kastrationen wichtig sind
Tierschutzrelevant
Katzen vermehren sich sehr schnell (Im Gegensatz zu Hunden).
Tierheime und Katzenschutzvereine sind dauerhaft überfüllt.
Freilaufende Katzen lassen sich kaum kontrollieren. Jede Kastration verhindert ungewollten Nachwuchs.
In Deutschland gibt es ein großes Problem mit Streunerkatzen. Durch ihre unkontrollierte Vermehrung steigt sowohl die Zahl der Tiere als auch ihr Leid stetig an. Kastrationen sind daher von entscheidender Bedeutung, um diese Situation langfristig in den Griff zu bekommen.
Gesundheitliche Vorteile & Verhalten
Krankheiten durch Hormone und Geschlechtsorgane (z. B. Tumore, Gebärmutterentzündungen, Hodenkrebs) werden reduziert.
Aggressionen und Dominanzverhalten als auch Frustration nehmen ab.
Längere Lebenserwartung
Das Risiko für bösartige Tumore werden durch eine Kastration reduziert.
Kater legen ohne Kastration riesige Streifgebiete zurück und sind oft tagelang unterwegs.
Das erhöht das Risiko für:
– Verkehrsunfälle
– Kampfverletzungen
– Infektionskrankheiten (z. B. FIV/Katzenaids, Leukose) durch Kämpfe und Paarung
Weniger Stress
Rollige Katzen sind für sich selbst und ihre Umgebung eine große Belastung.
Tragende Mütter müssen genug Nahrung finden und Milch produzieren, die Kittenaufzucht ist stressig.
Auch Kater stehen unter hormonellem Stress, wenn sie auf Partnersuche sind und Revierkämpfe austragen.
Harnmarkieren wird minimiert oder hört ganz auf
Unkastrierte Kater verspritzen ihren Urin. Durch das Entfernen der Hoden (Kastration) wird die Produktion von Sexualhormonen stark reduziert, wodurch das Revierverhalten und damit auch das Harnmarkieren meist deutlich nachlässt oder ganz aufhört.
Wann solltest Du Deine Katzen kastrieren lassen?
Der beste Zeitpunkt für eine Kastration ist kurz vor der Geschlechtsreife.
Dies ist von Katze zu Katze, je nach Rasse und Geschlecht, unterschiedlich.
Katzen kommen in die Pubertät und erreichen ihre Geschlechtsreife im Alter von etwa 4 bis 12 Monaten.
Mädchen werden früher als Jungs geschlechtsreif.
Bei Mädchen ist der Zeitpunkt der Geschlechtsreife mit ca. 4 bis 6 Monaten erreicht. Es gibt zunehmend immer mehr weibliche Katzen, die bereits jung geschlechtsreif sind (ungefähr mit 4 Monaten).
Bei Jungs ist der Zeitpunkt der Geschlechtsreife mit ca. 6 bis 9 Monaten Monaten erreicht, wobei auch immer mehr Kater bereits mit 4 Monaten fruchtbar werden.
❗ Eine Katze muss nicht mindestens 6 Monate alt sein für eine Kastration! Das ist ein veralteter Richtwert, der auf älteren Erkenntnissen basiert.
Und selbstverständlich können auch erwachsene Katzen immer noch kastriert werden.
💡Frühkastrationen sind bereits ab 12–14 Wochen (3-4 Monate) problemlos möglich und werden z. B. im Tierschutz oft durchgeführt.
Cats Protection, die größte Tierschutzorganisation für Katzen in Großbritannien, empfiehlt, Katzen im Alter von 4 Monaten kastrieren zu lassen.
Zitat: „Katzen können in jedem Alter kastriert werden, aber wir empfehlen, Ihr Kätzchen im Alter von etwa vier Monaten kastrieren zu lassen. Der Grund dafür ist, dass weibliche Katzen ab diesem Alter schwanger werden können.“
Unterschiede je nach Rasse:
Kurzhaarige, kleinere Rassen (z. B. Europäisch Kurzhaar, Siam) werden oft früher geschlechtsreif, meist schon mit 4–6 Monaten.
Größere, langsam wachsende Rassen (z. B. Maine Coon, Norwegische Waldkatze) werden später geschlechtsreif, oft erst mit 9–12 Monaten oder sogar noch später. Maine Coons können teilweise erst mit 12–15 Monaten vollständig geschlechtsreif sein. Größere Katzenrassen entwickeln sich generell langsamer, auch hormonell.
Ernährung, Klimawandel und allgemeine Gesundheit beeinflussen ebenfalls den Zeitpunkt der Geschlechtsreife.
Ablauf und Kosten einer Kastration
Der operative Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt.
Bei Katern ist er einfacher, da nur die Hoden entfernt werden, daher sind die Kosten geringer.
Bei weiblichen Katzen ist der Eingriff etwas aufwendiger, da der Bauchraum geöffnet werden muss.
Dauer: Kurz und relativ schmerzarm
Risiko: Gering, da es sich um einen Standardeingriff handelt
Kosten:
Kater: ca. 100–180 €
Katze: ca. 300–400 €
Da es sich um einen hormonellen Eingriff mit teils deutlichen Nebenwirkungen handelt, ist die chemische Kastration kein Standardverfahren bei Katzen und wird nur bei einer klaren medizinischen Indikation eingesetzt. Eine dauerhafte oder langfristige Anwendung wird von Tierärzten nicht empfohlen.
❗️Bis deine Katze kastriert ist, solltest du sie unbedingt im Haus halten und auch im Haus von anderen unkastrierten Katzen fernhalten. Katzen sind nicht wählerisch mit wem sie sich paaren. Sie würden sich sogar mit ihren Geschwistern und Eltern fortpflanzen.
Unterschied Kastration vs. Sterilisation
Es hält sich hartnäckig, dass eine Katze immer sterilisiert und ein Kater kastriert wird.
Dies ist jedoch so nicht korrekt.
Eine Kastration kann bei beiden Geschlechtern erfolgen und ist die sinnvollste Methode um Katzen unfruchtbar zu machen.
Denn, bei einer Sterilisation werden lediglich die Eileiter bei der Katze bzw. die Samenleiter beim Kater durchtrennt. So werden Katzen zwar unfruchtbar, aber die Sexualhormone bleiben intakt. Das heißt, Katzen werden weiterhin rollig (oft dauerrollig) und Kater streifen auf ihrer Suche nach einem Weibchen durch die Gegend (oder versuchen aus der Wohnung zu kommen) und verteidigen ihr Revier extremer gegenüber anderen Katern.
Ich sehe keinen Sinn daran, Katzen zu sterilisieren.
Es sollte immer eine Kastration erfolgen damit die Katzen ein angenehmes Leben führen.
😔 Eine nicht kastrierte Katze wird während der Paarungszeit (In Deutschland und allen anderen Ländern der Nordhalbkugel: März bis September) in der Regel alle zwei bis drei Wochen rollig, es sei denn, sie paart sich erfolgreich und wird trächtig.
Kurz und Kompakt:
Sterilisation:
Nur Eileiter oder Samenleiter werden durchtrennt.
→ Katze bleibt hormonell aktiv, wird weiterhin rollig bzw. revierkämpferisch.
→ Keine wirkliche Verbesserung für das Tier.
Kastration:
Eierstöcke oder Hoden werden entfernt.
→ Tier wird unfruchtbar und hormonell ruhig.
→ Empfehlenswerte Methode für ein stressfreies Leben.
Häufige Mythen rund um die Kastration
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„Nach der Kastration wird meine Katze dick.“
Kastrierte Katzen werden nicht automatisch dick! Eine Gewichtszunahme ist zwar nicht selten, aber dies liegt nicht an der Kastration, sondern am veränderten Stoffwechsel und Energieverbrauch. Viele Katzen werden nach einer Kastration ruhiger und bewegen sich wenig. Es ist sinnvoll, die Fütterung an den veränderten Alltag anzupassen.
Auch die bekannte „Ur-Wampe“ tritt nicht automatisch nach einer Kastration auf.
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„Meine Katze lebt nur in der Wohnung“
Auch reine Wohnungskatzen sollten immer (!) kastriert werden. Nicht nur um einer Fortpflanzung entgegen zu wirken sondern auch um eine Katze / einen Kater ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Werden Katzen nicht kastriert sind sie dauerhaft hormongesteuert, was eine enorme Belastung ist. Auch für den Menschen ist dies keine angenehme Angelegenheit. Wer schonmal eine rollige Katze oder einen harnmarkierenden Kater erlebt hat, weiß wovon ich rede.
Entlaufene, unkastrierte Katzen können ungewollt für Nachwuchs sorgen.
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Katzen müssen nicht einmal rollig gewesen sein, um sie kastrieren zu lassen. Dies hat keinen Einfluss auf die Entwicklung und Verhaltensweise der Katze. Ganz im Gegenteil. Wird eine Katze rollig, hat die Natur vorgesehen, dass sie auch gedeckt wird. Tritt dies nicht ein, wird sie schnell wieder rollig. Dies ist nicht nur physisch und körperlich enorm anstrengend sondern kann auch zu Entzündungen von der Gebärmutter führen. Rollige Katzen schreien häufig den ganzen Tag. Eine Belastung für alle.
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Katzen müssen nicht wenigstens einmal Junge bekommen, bevor sie kastriert werden.
Katzen haben kein Bedürfnis danach Mutter zu sein. Mutter zu werden ist für die Katze physisch und körperlich sehr belastend. Oft werden sie Mutter, wenn sie selbst noch Kinder sind. Der Körper ist zwar fähig, mental ist das für Katzen aber eine ganz andere Sache.
Kastration beendet Katzenelend
In Deutschland leben über 2 Millionen Streunerkatzen, viele stammen ursprünglich von unkastrierten Wohnungskatzen ab.
Diese Streunerkatzen vermehren sich endlos und kämpfen täglich um ihr Überleben in schrecklichen Zuständen.
Eine Katze kann mehrmals im Jahr trächtig werden und so schnell zur Überpopulation beitragen.
Die Tierheime quillen über, weil jedes Jahr enorm viele Kitten oder trächtige Katzen aufgenommen werden müssen.
Mit jeder Kastration leistest du einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz und zur Eindämmung des Katzenelends.
Katzen werden nicht aussterben, nur weil wir sie kastrieren – wir übernehmen damit Verantwortung

Fazit: Kastrierte Katzen und Kater leben länger, gesünder und tragen nicht mehr zum Streunerproblem bei. Sie haben ein ruhigeres, angenehmeres Leben – und wir Menschen profitieren auch davon. Katzen können bereits früh kastriert werden – sie müssen nicht mindestens 6 Monate alt sein. Kastrationen retten Leben.
Du hast noch Fragen oder Anmerkungen?
Alles Liebe,
Sakura
Hier schreibt Sakura von der Miezen-Sprechstunde für Dich!
Seit über 15 Jahren arbeite ich mit Miezekatzen zusammen und berate meine Kunden im Bereich Katzengerechte Wohnungshaltung, Ernährung und Katzenverhalten. Ich liebe Samtpfoten und freue mich, wenn sie ein tolles Zuhause haben.
Schön, dass Du hier bist 🙂
Dieser Blogbeitrag dient rein zur Information und ersetzt keinen Tierarzt! Die Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammen getragen. Ich übernehme keine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit.


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