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Giardien – was ist das und was kannst Du dagegen tun?

Giardien bei Katzen – was tun?

Bei deiner Katze wurden Giardien Parasiten im Kot gefunden? Du weißt nicht, was du tun sollst und bist total überfordert?
In diesem Ratgeber stelle ich Dir das wichtigste zusammen und beschreibe Dir alles was du tun kannst und solltest. Das elementarste zuerst:
Keine Panik!
Giardien sind zwar fies aber mit einer systematischen Behandlung bekommst du die Dinger los!
Infektionen mit Giardien sind relativ häufig. Viele Giardien-Infektionen sind Zufallsbefunde ohne Symptome.
Lass dich nicht von Horrorgeschichten aus dem Internet beeinflussen!

Und weil die nachfolgenden zwei Fragen tatsächlich auftauchen, hier direkt die wichtigsten Antworten:

Nein, eine Katze stirbt nicht an Giardien!

Es ist zwar eine nervige, belastende Situation, aber sie stellt normalerweise keinen lebensbedrohlichen Zustand dar. Nur in extremen Fällen sind Giardieninfektionen tödlich – diese sind glücklicherweise selten.

Ja, eine Ansteckung mit Giardien ist heilbar!

Meiner Meinung nach sind Giardien mit einem konsequenten System gut in den Griff zu bekommen. Näheres dazu weiter unten. Also erstmal durchatmen und diesen Blog-Beitrag bis zum Ende lesen 🙂

 

Was sind Giardien?

Giardien (Giardia intestinalis) sind mikroskopisch kleine Dünndarm-Parasiten, sogenannte Einzeller. Sie besiedeln den Darm und ernähren sich vom Nahrungsbrei. Wenn der Darm und das Immunsystem nicht gut funktionieren, deine Katze vielleicht keine gute Darmgesundheit hat, sind das optimale Bedingungen für Giardien um sich einzunisten und sich zu vermehren.

Giardien haben zwei Entwicklungsstadien:

🚩 Ausgewachsenen Parasiten, sogenannte Trophozoiten: Diese leben in der Dünndarmwand infizierter Katzen. Giardien können sich asexuell fortpflanzen. Es entstehen Zysten (inaktives Stadium).

🚩 Zysten: Diese werden mit dem Kot ausgeschieden. Da sie in einer schützenden Hülle leben, sind sie sehr resistent und können in der Außenwelt lange überleben. Werden nun diese Zysten von der Katze (oder Hund oder Menschen) aufgenommen und gelangen in den Darm, entwickeln sie sich dort zu ausgewachsenen Trophozoiten. Ein endloser Zyklus, zumal sich die Katze immer wieder aufs Neue anstecken kann.

 

Welche Symptome hat eine Katze mit Giardien?

Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und extrem stinkender Kot sind gängige Symptome. Wenn ein starker Befall vorliegt kann es zu Abmagerung kommen, auch wenn die Katze normal frisst.
Allerdings zeigt nicht jede Katze überhaupt Symptome. Manchmal liegt auch nur ein Zufallsbefund vor.

Was machen Giardien?

Die Parasiten können die Darmschleimhaut schädigen, wodurch es zu einer Dysbalance der Darmflora kommt. Die Darmflora stellt einen elementaren Teil des Immunsystems dar. Wenn die Darmflora gestört ist, kann der gesamte Organismus aus dem Gleichgewicht geraten. Er wird anfälliger für weitere Erkrankungen.

Einige Katzen nehmen stark ab, trotz gleichbleibenden Appetits. Dies liegt daran, dass Giardien, wie bereits weiter oben beschrieben, die Darmschleimhaut schädigen. Dadurch werden Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgenommen, was zu einem Nährstoffmangel bis hin zur schnellen Abmagerung führen kann. Aber auch durch den Wasserverlust durch ständigen Durchfall kommt es zur Abmagerung sowie zur Dehydrierung.

 

Woran kann ich Giardien erkennen?

Giardien werden über Kottests diagnostiziert. Entweder weil deine Miez Symptome zeigt oder weil du anderweitig den Kot untersuchen lassen hast.

ℹ️Eine mikroskopische Kot-Untersuchung alleine ist leider kein sicheres Verfahren. Zysten werden nicht mit jedem Kot ausgeschieden, daher kann der mikroskopische Nachweis trotz Giardien-Infektion negativ ausfallen.
Sicherer ist ein Test auf „Giardia-Antigen im Kot“ (der sogenannte „Koproantigen-ELISA“ Test).

 

Welche Katze sind Risikopatienten für Giardien?

Ein schwaches, noch nicht ausgereiftes Immunsystem (Kitten) und geschwächtes, nicht mehr starkes Immunsystem (Ältere Katzen oder kranke Katzen) ist sehr anfällig für Giardien. Auch bei Katzen mit chronischen Darmproblemen verbreiten sich die Parasiten schnell. Vor allem junge Katze sind häufig betroffen.
Bei hingegen einer gesunden, erwachsenen Katze, die von Dir gut ernährt wird, kann das eigene Immunsystem oft selbstständig Giardien erfolgreich bekämpfen – vor allem wenn keine Symptome vorliegen.

💡 Möglicherweise lieben Giardien Kohlenhydrate und nähren sich insbesondere davon gerne. Dies ist nicht abschließend geklärt.
Klar ist hingegen: Kohlenhydrate sind für Katzen nicht geeignet. Zumindest nicht in hohen Mengen.
Katzen benötigen immer eine katzengerechte Ernährung. Weil Katzen Kohlenhydrate nicht gut verstoffwechseln können, sollten Kohlenhydrate nicht auf dem Speiseplan deiner Katze stehen. Das heißt: Trockenfutter und minderwertiges Nassfutter mit überwiegend pflanzlichen Zutaten sollten vermieden werden. Kohlenhydrate sind z.B. oft als Reis, Kartoffeln, pflanzliche Nebenerzeugnisse u.ä. im Katzenfutter enthalten. Ballaststoffe, wie leicht verdauliches Gemüse (Möhre, Zucchini…) sollte hingegen mit einem kleinen Anteil vertreten sein.
Bei Durchfall kann eine „Morosche Karottensuppe“ helfen.
Bei der richtigen Ernährung kann dich ein Ernährungsberater unterstützen.

 

 

Wie steckt sich eine Katze mit Giardien an?

Giardien werden, wie die meisten Parasiten, über die Umwelt eingeschleppt. Demnach sind nicht nur Freigänger betroffen sondern genauso reine Wohnungskatzen. Die Infektion kann durch uns Menschen über Schuhe und Kleidung verbreitet werden, ebenso sind Schmierinfektionen (Kot anderer infizierter Katzen, Vogelkot…), verunreinigtes Wasser oder Futter die Gründe. 100% tig vermeiden kannst du eine Infektion mit Giardien nicht.

 

Sind Giardien für andere ansteckend?

Ja, Giardien sind sehr ansteckend. Außerhalb der Katze bleiben Giardien mehrere Wochen bis Monate lebensfähig, je nach Umfeld. Giardien können andere Tiere als auch den Menschen befallen. Wobei die Giardienstämme, die Hunde und Katzen befallen, für den Menschen selten schädlich sind. Hygienemaßnahmen wie tägliches Hände wäschen und Katzentoiletten mit Handschuhe reinigen reicht meistens aus.

Bei gesunden Lebewesen, die nicht übermäßig mit Giardien befallen sind, kommt es häufig zu keinen Problemen, da das Immunsystem hier damit alleine fertig wird.

 

Behandlung: Was ist jetzt zu tun?

Schritt 1: Giardien in der Katze abtöten. Bei starken Symptomen sowie bei Kitten, kranken oder sehr alten Katzen würde ich nicht lange abwarten, sondern direkt mit einer medikamentösen Behandlung, nach Absprache mit deinem Tierarzt, starten. Bewährt haben sich Fenbenazol (Panacur) und Metrodinazol. Wenn nichts davon hilft, wäre Carnidazol noch eine letzte Option.
☝️Infos: Metrodinazol Tabletten haben einen sehr unangenehmen Geschmack für Katzen.
Panacur soll weniger Nebenwirkungen haben. Es wird nach dem Schema: 5 Tage geben, 3-5 Tage Pause, 5 Tage geben verabreicht.

Der Tierarzt deines Vertrauens wird dir das passende Medikament verschreiben, welches du deiner Miezekatze für einen bestimmten Zeitraum verabreichst.
Ich würde parallel zum Medikament ein Probiotika und Präbiotika geben.

HINWEIS: Wenn Du eine gesunde Katze hast, bei der Giardien durch Zufall diagnostiziert wurden, sie aber keine Symptome hat, solltest du abwägen ob ein Medikament wirklich sein muss. Medikamente können immer Nebenwirkungen haben.

Schritt 2: Giardien in der Umgebung (=Komplette Wohnung / Haus) abtöten. Das bedeutet, du solltest täglich saugen und alles waschen, was in die Waschmaschine darf (Kochwäsche!). Böden wischen würde ich nicht empfehlen, da Giardien Feuchtigkeit gut finden.
Dampfreiniger empfehle ich nicht. Die meisten, handelsüblichen Dampfreiniger für Zuhause erreichen auf der Oberfläche nicht zuverlässig die Temperaturen, die nötig sind, um Giardienzysten sicher abzutöten – dafür sind mindestens 70 °C, besser noch über 80 °C, erforderlich.
Alles darunter begünstigt die Lebensbedingungen der kleinen Biester (Feucht-warm mögen sie gerne).
Es ist vermutlich hilfreicher, die Wohnung so trocken wie möglich zu halten.
Ohne Feuchtigkeit sind die Giardienzsysten normalerweise innerhalb weniger Tage ausgetrocknet.
Ich empfehle:

  • Täglich Saugen und Beutel entsorgen
  • Alles was in die Waschmaschine bei Kochwäsche kann: Täglich waschen (Liegeplätze, Bettchen etc.) und außerhalb des Wohnbereiches trocknen lassen.
    Hilfreich ist: Handtücher auf allen Lieblingsplätzen auslegen und diese täglich austauschen (und waschen).
  • Näpfe kochend auswaschen
  • Alles andere: Einfrieren bei unter -4 Grad
  • Besonders wichtig: Katzentoiletten täglich umfänglich reinigen (Streu raus und in einem Müllbeutel wegwerfen, Schalen heiß auswaschen und trocken. Dann frische Streu in Toilette füllen)
  • Händewaschen nach dem Kontakt mit dem Katzenklo (und am besten Handschuhe bei jeder Reinigung tragen)

⚠️ Keinen Chlorreiniger verwenden!

Giardien können gut behandelt werden, wenn die Hygiene stimmt.
Nur alleine mit einem Medikament wirst du keinen Erfolg haben! Deine felinen Mitbewohner werden sich sonst immer wieder aufs Neue in der Umgebung anstecken.

Es ist jetzt dein Ziel so viele Zysten wie möglich in der Wohnung zu erwischen, damit sich diese nicht weiter zu ausgewachsenen Giardien entwickeln können. Sonst drehst Du dich endlos im Kreis.

Schritt 3: Baue den Darm und das Immunsystem der Katze wieder auf. Dies ist besonders wichtig, wenn eine medikamentöse Behandlung erfolgt ist. Aber auch bei Zufallsdiagnosen ohne Symptome kann dies sehr helfen um das Immunsystem bei der Abwehr zu unterstützen. Wichtig: Du solltest nicht nur die Giardien behandeln, sondern auch die Darmschleimhaut, damit sich diese beruhigen kann. Am besten nimmst Du dir hier einen Ernährungsberater und/oder Tierheilpraktiker an die Seite.

Schritt 4: Achte immer auf eine katzengerechte Ernährung. Durch eine gute Ernährung fördest du eine gute Darmgesundheit. Hier kann ich dir als ausgebildete Ernährungsberaterin gerne helfen.
Trockenfutter sollte unbedingt vermieden werden!

Schritt 5: Du solltest in jedem Fall einen Wiederholungstest (Kottest) machen lassen, der dann hoffentlich negativ ist. 5-7 Tage nach Therapieende kann man den Kot erneut testen lassen.

ℹ️ Manchmal sind Kottests weiterhin positiv, obwohl alle Giardien abgetötet wurden. Das liegt wohl daran, dass die toten Giardienzysten immer noch einen positiven Test verursachen. Einen Kottest würde ich bei erfahrenen Experten machen lassen, wie z.B. dem Institut für Parasitologie von der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Hier kannst du selbstständig den Kot deiner Katze testen lassen. Es wird dort nicht nur nach Zysten geschaut, sondern nach einem bestimmten Antigen. Der Test nennt sich „Koproantigen-ELISA“ und kostet aktuell ca. 20 € (Stand Februar 2021).

 

 

☝️ Mit meinen oben genannten Tipps solltest du Giardien erfolgreich bekämpfen können. Es wird zeitaufwendig werden, aber die kleinen Biester sind nicht unsterblich. 🙂
Generell gilt: Lass dich nicht von Panikmacherei im Internet anstecken. Giardien sollten nicht überschätzt aber auch nicht unterschätzt werden. Im Zweifel sprich mit dem Tierarzt & Tierheilpraktiker deines Vertrauens.

 

Du hast noch Fragen? Schreib mir einfach eine E-Mail.

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Alles Liebe,

Sakura

 

 

HINWEIS: Dieser Blogbeitrag dient rein zur Information und ersetzt keinen Tierarzt! Die Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammen getragen. Ich übernehme keine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit. Bitte besprich Diagnosen und Therapien mit Deinem Tierarzt. Nahrungsergänzungsmittel als auch Medikamente nur nach Absprache mit Deinem Tierarzt verabreichen!

 

Veröffentlicht in Allgemein

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