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Wenn Katzen sich nicht mehr verstehen

Deine Katzen streiten sich plötzlich

Bisher waren sie gute Freunde aber nun hängt der Haussegen schief? Wenn Katzen sich nicht mehr verstehen, steckt ein Grund dahinter.

😿Es kommt leider immer wieder vor, dass Katzen plötzlich auf Distanz gehen oder sogar in Streit geraten. Möglicherweise bedrängt, jagt oder mobbt eine deiner Katze eine andere Katze?
Wenn es immer wieder Konflikte gibt, dann können deine Katzen das nicht unter sich klären.
Sie brauchen deine Hilfe!

In diesem kleinen Ratgeber gebe ich dir Tipps und wichtige Infos:

Wichtig zu wissen: Lass deine Katzen bei Konfliktsituationen nicht allein! Katzen können ihre Probleme untereinander nicht gut lösen und brauchen unsere Unterstützung.

 

Warum kommt es zu Konflikten?

Schmerzen oder Krankheit: Ganz häufig sind Schmerzen oder Krankheit der Grund, dass es einer Katze nicht gut geht. Katzen verbergen ihre Schmerzen meistens, aber es kann auch passieren, dass sie durch die ständigen Schmerzen und das Unwohlsein aggressiv oder ruhiger werden. Ein Tierarztbesuch ist immer der erste Schritt in einer Konfliktlösung um medizinische Gründe abzuklären.

Umgeleitete Aggression: Eine umgeleitete bzw. umgerichtete Aggression kann aus einer unangenehmen Situation entstehen. Eine Katze erschrickt oder ärgert sich über etwas – sei es eine fremde Katze draußen (häufig der Grund), ein lautes Geräusch, ein heruntergefallener Gegenstand oder ein ungewohnter Geruch. Dies löst starken Frust, Stress oder eine Erregung aus, der auf das nächstbeste Ziel umgeleitet wird – im Mehrkatzenhaushalt ist das oft die Partnerkatze bzw. der Katze, die gerade in der Nähe ist. Für diese ist das ein großer Schreck, den der Angriff kommt ohne Vorwarnung.
Nach dem Vorfall bringen die Katzen ihre Angst und Anspannung nicht mit der eigentlichen Ursache, sondern miteinander in Verbindung, was zu Konflikten führt.

Auch wir Menschen kennen so etwas: Manche von uns neigen dazu, schlechte Laune, Frust, Ärger oder sogar Schmerz an den Menschen auszulassen, die gerade in der Nähe sind. Im Gegensatz zu Katzen können wir jedoch darüber sprechen und Missverständnisse klären.

Zu wenig Ressourcen: Haben deine Katzen genügend Plätze zum Zurückziehen sowie genug Näpfe und Katzentoiletten? Achte darauf, wie du diese Ressourcen im Wohnraum verteilst. Vermeide Engstellen. Überlege: Schafft die aktuelle Situation Raum für Mobbing – oder verhindert sie es?

Frust & Stress: Ob Veränderungen, Unterforderung oder unerwartete Ereignisse – all das kann bei Katzen rasch Spannungen auslösen und in Konflikte münden.

Futter: Zu wenig oder zu selten Futter löst nicht selten Streit und Stress unter Katzen aus. Auch Futternäpfe direkt nebeneinander sind für Katzen ein No-Go.

So entstehen die meisten Konflikte, obwohl die Beziehung zuvor harmonisch war.

Für Mensch und Tier ist das oft schwer nachvollziehbar und belastend. Schließlich erscheint es unlogisch, dass z.B, ein einzelnes Schreckmoment ausreicht, um eine vertraute Katzenfreundschaft ins Wanken zu bringen. Oftmals bekommen wir Menschen den Auslöser nicht mal mit.

 

💡Good to know: Katzen können Missverständnisse nicht wie wir Menschen klären. Dazu fehlen ihnen die kognitiven Fähigkeiten, die dafür notwendig wären. Katzen kommunizieren vor allem über Körpersprache, Gerüche und Laute. Das bedeutet nicht, dass Katzen „dumm“ sind, sondern dass ihr Denken einfach anders aufgebaut ist als das menschliche.Wenn etwas Schlimmes passiert, etwa ein lauter Knall oder ein Schreckmoment, verknüpfen Katzen diese negative Erfahrung stark mit allem, was in diesem Moment um sie herum war. Befindet sich die andere Katze in der Nähe, wird sie schnell mit der Angst oder dem Stress in Verbindung gebracht.
Anders als wir Menschen können Katzen nicht darüber nachdenken oder erklären, was wirklich passiert ist.
Für sie zählt nur das Gefühl: „Ich hatte Angst, und du warst da – also bist du gefährlich.“
Das kann dazu führen, dass Konflikte zwischen Katzen bestehen bleiben, selbst wenn der eigentliche Auslöser längst vorbei ist.
Die Forschung zeigt, dass Katzen durchaus lernen, Zusammenhänge zu erkennen, z. B. durch Belohnung oder Training.
Aber abstrakte Konzepte, wie „Das war nur ein Missverständnis“ oder „Du bist nicht die Ursache meiner Angst“, übersteigen ihre mentalen Fähigkeiten.
Eine Studie, die dies gut beschreibt: Vitale et al., 2019, veröffentlicht im Fachjournal Current Biology. Dort wird gezeigt, dass Katzen sozial denken können und Bindungen aufbauen, aber ihre Fähigkeit, komplexe soziale Situationen zu analysieren, stark begrenzt ist.

 

 

Deine Katzen verstehen sich plötzlich nicht mehr: Was hilft?

🌟Tipps, um deine Katzen wieder zu versöhnen

Genau hinsehen:

  • Vom welcher Katze geht der Streit aus?
  • Was fehlt dieser Katze?
  • Gibt es immer nur bei bestimmten Momenten Krach?
  • Will eine „nur spielen“?
  • Oder ist die eine Katze der anderen Katze einfach nur unsympathisch und sie mag sie nicht?

Nach einem Umzug kommt es bei Katzen nicht selten plötzlich zu Streit oder sogar heftigen Kämpfen. Ursache ist oft der enorme Stress, den ein Ortswechsel für Katzen bedeutet:
Das vertraute Revier ist weg, gewohnte Gerüche fehlen und damit auch ein großer Teil ihrer Sicherheit.
Katzen orientieren sich stark über Duftmarken. Sind diese im neuen Zuhause noch nicht vorhanden oder „durcheinander“, kann das zu Unsicherheit, Missverständnissen und Revierkonflikten führen.
Um die Situation zu entspannen, ist es oft sinnvoll, die Katzen vorübergehend zu trennen und sie anschließend langsam und kontrolliert wieder zusammenzuführen.
Wichtig ist außerdem, ausreichend Ressourcen bereitzustellen: also mehrere Futternäpfe, Wassernäpfe, Katzenklos, Kratzmöglichkeiten sowie verschiedene Rückzugs-, Liege- und Ruheplätze, damit gar nicht erst zusätzlicher Konkurrenzdruck entsteht.

Schimpfen, Bestrafen, Hochheben etc. sollte von dir vermieden werden!   

Kurzfristige Trennung: Manchmal reicht es schon, die Katzen für ein paar Stunden räumlich zu trennen, um den Stresspegel zu senken. In dieser Zeit können sie sich beruhigen und die Situation neu „einordnen“. Wenn die Situation eskaliert, bring die Katzen also in getrennte Räume. Wichtig ist, dass beide sich dort sicher und wohlfühlen können. Jedes Zimmer sollte mit allem wichtigen ausgestattet sein (Futter, Wasser, Klo, Schlafplatz, Lieblingskuschelbox, Fummelbretter etc.). Die Dauer der Trennung kann von wenigen Stunden bis mehreren Tagen sinnvoll sein.
Gehe bei der Trennung ruhig vor.

Wichtig: Die Ursache für den Streit muss herausgefunden werden. Manchmal sind es „harmlose“, temporäre Dinge wie ein Tierarztbesuch (Katze riecht anders), der zu Konflikten geführt hat. Hier kann eine räumliche Trennung helfen.
Tieferliegende Probleme lösen sich hingegen nicht einfach durch eine kurzzeitige Trennung auf.

Langsames Wiederannähern: Ein direktes Aufeinandertreffen kann kontraproduktiv sein. Besser ist, die Raufbolde zunächst durch ein Gitter wieder miteinander Bekanntschaft machen zu lassen. Belohne ruhiges Verhalten mit Leckerchen oder Spielen. Die Trennung kann wieder aufgehoben werden, wenn beide Katzen auf beiden Seiten entspannt wirken, fressen und agil sind. Optimal ist es, die Katzenzusammenführung nach der Trennung an einem neutralen Ort stattfinden zu lassen. Wenn auch ein neutraler Ort keine Besserung zeigt, sollte über weitere Maßnahmen nachgedacht werden.

Genug Ressourcen: Es geht bei dem Zusammenleben von Katzen primär um Ressourcen. Jede Katze braucht ihre eigenen sicheren Plätze. Hoch gelegene Liegeflächen, viele Katzentoiletten, mehrere Kratzmöglichkeiten und getrennte Futterstellen verhindern Stress und fördern Harmonie. Von allem sollte also ausreichend zur Verfügung stehen, damit es keine Streitigkeiten gibt. Die Ressourcen sollten stets so platziert sein, dass sich Katzen dabei nicht ständig begegnen müssen und von mehrere Seiten erreichbar sind.
Eigentlich haben deine Miezen doch genügend Platz, um sich aus dem Weg zu gehen?
Schau genau hin. Vielleicht kann doch noch optimiert werden.
Beispielsweise sind Catwalks unter der Decke und an Wänden wichtige Plätze,  wo sich jede Katze zurückziehen kann. Jeder Katzenhaushalt sollte welche haben.

Struktur im Tagesablauf: Alltag mit gemeinsamen Ritualen, Einplanung von festen Zeiten, Berücksichtigung von passenden Zeitfenstern. Das bringt Sicherheit, Beruhigung und Orientierung.

Futtermanagement überarbeiten. Oftmals ist zu wenig oder selten Essen ein Grund für Aggression und Streit! Katzen möchten zudem nicht beieinander gefüttert werden. Jede Katze braucht ihren eigenen Napf und ihren eigenen Futterplatz. Katzen die scheinbar friedlich nebeneinander fressen oder dem anderen den Vorrang beim Essen geben, sind KEIN Beweis dafür, dass sie sich wirklich mögen und diese Situation für sie in Ordnung ist.
Beim Thema Futter geht es immer um Hunger und einen wichtigen Instinkt. Wenn die Katze essen möchte, erträgt sie oft eben die Nähe der anderen Katzen beim Futternapf. Bei sensiblen Katzen hingegen ist das oft kritischer und sie hören lieber auf zu fressen, statt die Nähe der anderen Katze zu ertragen.

Spielen und Beschäftigen: Frust ist ebenfalls ganz häufig Ursache für Katzen-Konflikte. Die Bedürfnisse der individuellen Katze werden nicht erfüllt. Wenn Katzen viel allein sind (z.B. weil du beruflich stark eingespannt bist), kann es irgendwann zu Langweilige und Frust bei Katzen kommen. Lies hierzu auch meinen Artikel: Katzen alleine lassen – wie lange ist es ok?

Ein ganz wichtiges Bedürfnis ist das Bedürfnis nach Jagd (bzw. Spiel). Interaktiven Spielen mit der Angel fördert nicht nur Bewegung sondern auch den Jagdinstinkt und das Lauern. Es baut zudem Spannung ab.

Clickertraining ist ebenfalls ein ganz wichtiges Tool, gerade im Mehrkatzenghaushalt. Fördere das friedliche Miteinander, indem du gemeinsames ruhiges Verhalten belohnst – zum Beispiel mit Leckerchen oder kurzen Clickerübungen. So verknüpfen beide die Anwesenheit des anderen mit positiven Erfahrungen.

Impulse für Dich: Wie man richtig mit Katzen spielt

 

Oben genannte Tipps sind erste Maßnahmen, wie du wieder Harmonie in deine Katzen-WG bekommst. 👉 In manchen Fällen braucht es jedoch Geduld, Verständnis und Training, bis aus zwei Rivalen wieder ein vertrautes Team wird.

Eine komplett neue Zusammenführung von Katzen ist hin und wieder notwendig.
Auch eine Medikation bei Streit hat schon Abhilfe gebracht.

☝️Übrigens, auch deine eigene Haltung kann Katzenstreit begünstigen.
Wenn du selbst gestresst bist oder wenn du nichts tust und nur abwartest.

Wichtig zu wissen: Katzen haben keine strikte Hierarchie und sie müssen daher ihre Rangordnung auch nicht auskämpfen. Katzenkämpfe sollten niemals von dir erlaubt werden, denn das macht alles noch schlimmer und kann eine Katzenbeziehung dauerhaft schädigen.

🔗 Woran du Spiel vs. Streit erkennst, erkläre ich dir HIER.

 

Bringt eine neue, dritte Katze wieder Harmonie rein?

Nein! Wenn Katzen miteinander streiten, steckt immer ein Grund dahinter. Diesen Grund gilt es herauszufinden und zu beheben. Er verschwindet nicht einfach, nur weil man eine dritte Katze dazunimmt – im Gegenteil: Häufig wird das Problem dadurch sogar noch schlimmer. Der Einzug einer weiteren Katze bedeutet für alle Katzen enormen Stress. Noch mehr Stress als vorher.

Oft haben wir es bei Konflikten mit einer unsicheren Katze und einer mobbenden Katze zu tun.
Die unsichere Katze braucht Unterstützung, um mehr Selbstvertrauen zu entwickeln – zum Beispiel durch gezieltes Training mit dir.
Die mobbende Katze hingegen benötigt mehr Auslastung und Möglichkeiten, Frust abzubauen.

Nur wenn die Ursache des Streits erkannt und gezielt daran gearbeitet wird, kann wieder Harmonie zwischen den Katzen entstehen.

 

Feliway & Co

Pheromone und Nahrungsergänzungsmittel wie Feliway, Zylkene, Anxitane oder auch CBD können im Katzenhaushalt eine hilfreiche Unterstützung sein.
Allerdings sind sie keine Zaubermittel, die deine Katzen von heute auf morgen entspannt und harmonisch zusammenleben lassen.

Zudem reagieren nicht alle Katzen gleich – manche sprechen gut darauf an, andere zeigen kaum oder gar keine Wirkung.

Ja, diese Hilfsmittel haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Ich empfehle, sie begleitend zu einer gezielten Verhaltenstherapie einzusetzen – nicht als alleinige Lösung.

 

Kater will spielen, Katze ist genervt?
Oder umgekehrt? (Wobei es meistens der Kater ist, der die Katze nervt 🫡)

Oft liegt es daran, dass unterschiedliche Geschlechter einfach unterschiedlich spielen und agieren. Während Kater gerne wild rennen, sich raufen und jagen, bevorzugen weibliche Katzen eher ruhige Spiele (Bällchen nachlaufen, fangen spielen…). Kater sind oft aufdringlicher. Aber auch unabhängig vom Geschlecht:
Wenn eine Katze der anderen auflauert, sie anstarrt oder sie bedrängt, kann das unangenehm werden.

Katzen, die eher unsicher sind oder in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Artgenossen gemacht haben, leiden besonders unter zu aufdringlichem Verhalten. Die unsichere Katze reagiert irgendwann mit anhaltendem Fauchen, Knurren oder Rückzug, sobald sie die nervende Katze nur erblickt. Manche gehen sogar zum Gegenangriff über und schlagen nach dem „Störenfried“ – selbst dann, wenn er gar nichts Böses im Sinn hat.

Unterschiedliche Spielbedürfnisse können schnell für Spannungen sorgen, besonders dann, wenn der eine wild herumtoben möchte, während der andere lieber sanft beschäftigt wird.
Zum Glück kannst du einiges tun, um das Zusammenleben entspannter zu gestalten.
Bewährt hat sich eine individuelle Spielzeit.
Beschäftige sowohl die „aktive“ Katze als auch die zurückhaltende. Nicht zwingend gleichzeitig, sondern so, wie es passt.

Hat dein Kater viel Energie? Dann lass ihn sich mit rasanten Spielen wie Spielangeln oder Baldriankissen auspowern.
Zieht deine Katze ein ruhigeres Tempo vor, eignen sich Denkspiele, Fummelboxen oder kleine Wurfspiele.

Gehe individuell auf die jeweilige Katze ein.

Aktive Beschäftigung durch Spielen, Jagen oder kleine Tricks (Clickern) steigert nachweislich das Selbstbewusstsein unsicherer Samtpfoten. Mit der Zeit fühlen sie sich deutlich sicherer, sind ausgeglichener und können sich auch besser behaupten.

 

 

Und wenn alles nicht klappt:

Sind die Katzen prinzipiell befreundet?
Also haben die Katzen auch streitlose Momente oder sind die Katzenbegegnungen immer negativ?

Vermeiden die Katzen sogar gänzlich den Kontakt?

Wenn es immer nur negativ ist, ist eine häusliche Trennung möglicherweise die beste Option für alle.

Gibt aber nicht zu schnell auf, sondern hol dir im Zweifel Hilfe und kontaktiere eine Verhaltensberaterin für Katzen.

Du bist nicht allein.❤️

 

 

Du hast noch Fragen oder Anmerkungen?

Schreib mir.

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Alles Liebe,

Sakura

 

HINWEIS: Dieser Blogbeitrag dient rein zur Information und ersetzt keinen Tierarzt! Die Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammen getragen. Ich übernehme keine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit. 

 

 

 

Veröffentlicht in Allgemein

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